Mittwoch, 25. April 2012

Regen

Es regnet. Nicht viel, aber genug um ständig auf den Boden gucken zu müssen. 150 Leute lösen sich aus ihrer Formation und stürmen alle Richtung Tür; ins Trockene. Viele lachen, quatschen…sind einfach nur glücklich. Viele ist vielleicht untertrieben; alle. Wir können nicht glauben, dass es schon so weit ist. An fast jedem zweiten Handgelenk baumelt eine kleine DigiCam, um auch ja keinen Moment zu verpassen. Die Taschen auf ihren Rücken und Schultern sind viel leichter als an jedem anderen Tag. Ich weiß das, da auch in meiner eine gähnende Leere herrscht. Eine Wasserflasche, eine durchsichtige Mappe, ein einsamer Stift. Ich halte nach dir Ausschau, aber finde dich nicht. Du wirst wahrscheinlich schon drinnen sein. Ich weiß ja wie sehr du Regen liebst. Der Strom der Menschen reißt mich mit, vorbei an den Musikräumen, vorbei am Vertretungsplan und wieder  raus in den Regen. Für den Moment lasse ich mich von der Stimmung mitreißen. Ich spüre wie mich ein unendliches Glücksgefühl durchströmt, wenn auch ein wenig gemischt mit Trauer. Das war’s. Es ist vorbei. Ich lasse mich mittreiben im Strom meiner Mitschüler zur Cafeteria. Die Tische wurden an die Wände gerückt und die Stühle in langen Reihen vor der Bühne aufgestellt. Vorne bei den einzigen zwei richtig stehenden Tischen, mit einem Berg an Papieren, steht unser Rektor. Ich sehe dich nicht. Du bist nicht da, noch nicht? Kommst du noch? Du musst kommen, sonst wirst du doch nicht zugelassen. Meine beste Freundin winkt mir zu, sie hat mir einen Platz in der letzten Reihe frei gehalten. Ich blicke mich noch einmal um, werde immer unruhiger und setzte mich dann schließlich zu ihr.  Das Top steht ihr gut, fällt mir auf. Als ich wieder nach vorne blicke, sehe ich noch immer unseren Rektor, nun schon etwas ungeduldiger. Er tritt von einem Fuß auf den anderen. Es dauert lange, bis er sich endlich dazu aufraffen kann auf das Mikro zu tippen. Das Geräusch ist unangenehm, viele meiner Mitschüler zucken zusammen und drehen sich dann mit verdüsterten Gesichtern nach dem  Idioten um, der es wagt ihre Gespräche zu unterbrechen. „Sehr schön, dass ich nun auch endlich euer aller Aufmerksamkeit habe. Es ist ein wichtiger Tag für euch …“ ich weiß was er sagen wird, jeder hier weiß es. Deswegen sind wir ja schließlich hier. Ich schaue zum Fenster, dicke Regentropfen prasseln nun dagegen und springen im selben Moment wieder weg. Wie tausend Schüsse auf Panzerglas.
Ein letztes Mal gongt der Gong für uns. Und es regnet.


1 Kommentar:

  1. Einen angenehmen Stil hast du.
    Kommt da noch was?
    Ich würde mich freuen.

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Ich beiße nicht und würde mich über deine Meinung freuen ;) Na los...:)